Aktuelles aus der Frühförderung
Unser Kind soll anders sein?
„Können wir mal einen Gesprächstermin mit Ihnen vereinbaren, weil der Yannik ja bald 5 Jahre alt wird?“ Diese Bitte der Erzieherin kurz nach dem 4. Geburtstag meines Sohnes wunderte mich etwas, aber wir machten einen Termin aus.
Mit gemischten Gefühlen ging ich in den Kindergarten zu dem Termin, da es ja mein erstes Gespräch in Bezug auf die Entwicklung und das Sozialverhalten meines Sohnes war. Bei diesem Gespräch wurde mir dann mitgeteilt, dass mein „Großer“ etwas auffälliger wäre als andere Kinder in seinem Alter. An folgenden Beobachtungen machte die Erzieherin das fest:
Beim Malen hält er den Stift etwas verkrampft und wechselt die Farben nicht. Außerdem gelangt von der Farbe wenig aufs Papier, da er nicht den richtigen Tonus in den Fingern besitzt, um von der Mine etwas abzubringen. Des Weiteren hat er sich immer noch nicht entschieden, ob er nun Rechts- oder Linkshänder ist.
Beim Spielen stört er wohl immer wieder die Kleingruppen der spielenden Kinder, so dass viele Kinder schon aufseufzen, wenn Yannik bei Ihnen dazu kommt. Hat er dann ein Spiel angefangen, spielt er es meistens nicht zu Ende oder beendet das Spiel abrupt, weil er nicht verlieren kann. Beim Stuhlkreis versucht er immer die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und bringt somit große Unruhe in den Ablauf. Kurz, er zeigt ein auffälliges Sozialverhalten.
Ich saß da und dachte, es bricht eine Welt für mich zusammen. Ausgerechnet mein Kind soll aus der Reihe tanzen? Wir haben uns doch bei der Erziehung so viele Ratschläge geben lassen und immer nur das Beste für ihn gewollt.
Das Fazit des Elterngesprächs war, dass wir unser Kind bei der Frühförderung vorstellen sollten. Mit einem Infoblatt dieser Einrichtung und der Empfehlung doch dort einen Termin zu vereinbaren, ging ich nach Hause.
Hier versuchte ich erst einmal meinem Mann das Gespräch wiederzugeben. Er reagierte genau wie ich mit Unverständnis darauf, dass Yannik doch gerade erst einmal vier Jahre alt geworden sei und er noch Zeit hätte, sich mit schulvorbereitenden Dingen zu beschäftigen.
Widerwillig entschlossen wir uns doch, bei der Frühförderstelle anzurufen und einen Termin zu vereinbaren, da wir ja das Beste für unser Kind wollten.
Wir bekamen einen Termin zur Vorstellung. Am Telefon wurde mir erklärt, dass Yannik gesondert mit einer Pädagogin verschiedene Tests in spielerischer Weise machen wird und ich als Mutter mich mit einer anderen Pädagogin unterhalten werde.
Das Ergebnis war für mich persönlich niederschmetternd, da ich immer noch hoffte, dass sich alles nur als Fehlalarm herausstellen würde.
Nun waren weitere Termine beim Kinderarzt und beim Amtsarzt im Landratsamt fällig. Nachdem vom Bezirk Oberfranken der Bescheid eingegangen war, dass die Maßnahme bewilligt wird, ging es auch schon mit dem ersten Termin in der Einrichtung los.
Yannik wurde individuell betreut und in spielerischer Form im Umgang mit seinen Schwächen unterstützt. Die Palette der Maßnahmen ist für einen Laien überwältigend und Yannik führte nach jeder „Therapiestunde“ stolz seine neuen gebastelten Ergebnisse und dazugelernten Fähigkeiten vor.
Die kleinen Fortschritte in der Entwicklung unseres Kindes haben nun auch uns Eltern davon überzeugt, dass wir den richtigen Schritt getan haben und unserem Kind die Frühförderung nur von Nutzen sein konnte. Mittlerweile hat sich Yannik auch entschieden, alles mit „links“ zu machen.
Seit eineinhalb Jahren bekommt Yannik zusätzlich noch ein Angebot der Frühförderung: einmal pro Woche besucht er im Rahmen der Ergotherapie eine Psychomotorikgruppe, welche in der Turnhalle der Lebenshilfe stattfindet.
Ziel ist es, dass er seine Grobmotorik verbessert, denn einfache Übungen wie der Einbeinstand oder Balancieren konnte er bis dahin noch nicht. Ein weiteres Ziel ist, dass er soziale Fähigkeiten in der Gruppe erwirbt, wie zum Beispiel abwarten können bis er an der Reihe ist, Regeln einhalten, Konflikte lösen.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten, ihn in die „Turnstunde“ zu bekommen, klappt es mittlerweile prima. Yannik ist in seinem zweiten Jahr in dieser Runde nun schon ein alter Hase und freut sich richtig auf die Stunde am Dienstagabend.
In der Zwischenzeit wurde uns Eltern in regelmäßigen Gesprächen mit der Frühförderung der aktuelle Entwicklungsstand unseres Kindes aufgezeigt. Meinem Mann und mir wurde immer wieder bewusst, dass wir für unser Kind richtig entschieden haben, indem wir es in diese Einrichtung geschickt haben.
Anfangs fand die Frühförderstunde in der Frühförderstelle statt. Nach einem Krankenhausaufenthalt von Yannik bot uns die Pädagogin an, zu uns nach Hause zu kommen, damit wir mit der Förderung weiter fortfahren könnten. Dankbar nahmen wir das Angebot an und er war mit Eifer dabei.
Wegen seiner Auffälligkeiten im Sozialverhalten ist die Förderung mittlerweile in unseren örtlichen Kindergarten verlegt worden und findet dort in einer Kleingruppe statt. Die neue Erzieherin unseres Sohnes stand von Anfang an hinter der Maßnahme und arbeitet eng mit der Frühförderstelle zusammen.
Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Hatten wir noch vor einem halben Jahr große Angst, dass wir Yannik nicht in die normale Grundschule an unserem Ort einschulen lassen könnten, so schauen wir der Einschulung jetzt neugierig und erwartungsvoll entgegen. Die zusätzlich durch die Frühförderung beantragten Einheiten zur Elternarbeit haben auch meinem Mann und mir geholfen mit unserer Situation besser klar zu kommen.
Das erste Gespräch mit den Erzieherinnen ist jetzt zwei Jahre her und seit dieser Zeit wurde bei uns Einiges bewegt. Die Frühförderstelle ist zu einer beständigen Einrichtung in unserem Leben geworden, mit deren Hilfe wir unserem Kind altersgerechte Hilfe geben konnten, von deren Hilfe wir als ganze Familie profitieren können.
Wir sind froh und dankbar, dass sich der Kindergarten rechtzeitig bei uns gemeldet hat und wir alle Maßnahmen ausgeschöpft haben, auch wenn wir anfangs nicht überzeugt davon waren, dass das wirklich nötig sei. Aber die Fortschritte unseres Kindes und die positiven Rückmeldungen von Kindergarten, Freunden und Verwandten bestärken uns immer wieder, dass wir den richtigen Schritt getan haben.
Auch im Namen unseres Kindes können wir nur sagen: „Schön, dass es solche Einrichtungen gibt!“
Bericht: Reichel Seitenanfang
Einweihung der Außenstelle Ebermannstadt - 21.10.09
Am 21.10.2009 wurde im Rahmen einer Feierstunde die neue Außenstelle der Frühförderung in Ebermannstadt offiziell ihrer Bestimmung übergeben.
Nach der Begrüßung von Herrn Dr.Platzek sprach Bürgermeister Franz Josef Kraus einige Worte. Für ihn passt die neue interdisziplinäre Frühförder- und Beratungsstelle sehr gut nach Ebermannstadt und so hat auch die Stadt dieses Projekt weitgehend unterstützt. Gerade bei einem ganzheitlichen Förderansatz, den die Kinderhilfe ja hat, haben gerade auch die Kinder von klein an, einen Anspruch auf Bildung und Förderung, das Recht auf ein hohes Maß an Zuwendung und Fürsorge.
Anschließend sprach WernerEgelseer (Leiter der Frühförderstelle) noch über die eigentlichen Aufgaben innerhalb der Frühförderung und die Wichtigkeit der wohnortnahen Förderung und Therapie. Er bedankte sich auch ganz herzlich bei der Vorstandschaft und der Geschäftsführung, die dieses Projekt unterstützt und finanziert haben.
Nach dem offiziellen Teil, wurde mit Sekt und kleinen Schnittchen (die von der Großküche in Weilersbach liebevoll zubereitet wurden!) etwas gefeiert und miteinander angestoßen. Schnell kam man ins Gespräch mit vielen geladenen Gästen vom Jugendamt, einigen Kinderärzten, Kindergärten, den Schulvorbereitenden Einrichtungen aus Wolfsberg und der Pestalozzischule, der Vorstandschaft und dem Elternbeirat der Hainbrunnenschule. Gut, das die Kollegen aus Forchheim immer so flott mit den Getränketabletts unterwegs waren.
Zu den Räumlichkeiten in Ebermannstadt gehören: ein Spielzimmer für die pädagogische Frühförderung mit einer Verbindungstür zum Ergotherapie- bzw. Bewegungsraum. Dieser Raum ist mit einer Kletterwand, einer Sprossenwand und einem höhenverstellbarem Arbeitstisch ausgestattet, sowie diversen Schaukelmöglichkeiten. Für die Logopädie steht ein entsprechend ausgestatteter Raum zur Verfügung. Ein kleines Büro und eine Küche fürs Personal, sowie ein Wartebereich für die Eltern sind zudem noch vorhanden.
Die vielen Besucher fanden die neuen Räume sehr schön, hell und kindgerecht ausgestattet.
Das Team in Ebermannstadt, zu dem die Sozialpädagogin Angelika Wölfel-Hölzel, die Motopädin Christine Hofmann-Egelseer sowie die Ergotherapeutin Olga Hense zählen, freut sich sehr über die Ausstattung und fühlt sich in Ebermannstadt sehr wohl. Zusätzlich stundenweise arbeiten noch im Team: Susanne Schätzler (Physiotherapie), Werner Egelseer (Heilpädagoge und Bereichsleitung, auch zuständig für die Eingangsdiagnostik) sowie die Kooperationspartner, die Logopädinnen Michaela Schneider und Desiree Böhm.
Die interdisziplinäre Frühförderstelle in Ebermannstadt stellt so eine wichtige Ergänzung zur Frühförderstelle in Forchheim dar, um den östlichen Landkreis flächendeckend und wohnortnah zu versorgen.
Bericht: Egelseer Seitenanfang




